Reportagen

URBANE HABICHTE IN BERLIN

In Berlin hat sich der Habicht (Accipiter gentilis) zu einem beeindruckenden Vertreter urbaner Tierwelt entwickelt: Der ursprünglich scheue Waldgreifvogel brütet seit den 1980er Jahren nicht nur am Stadtrand, sondern mitten in Parks, Friedhöfen und sogar begrünten Innenhöfen – Berlin zählt zu den Städten mit einer der höchsten Dichten dieses Greifvogels weltweit. Etwa 60 bis 100 Brutpaare sind heute im Stadtgebiet anzutreffen, wo sie von der reichlich vorhandenen Beute in Form von Stadttauben und Ratten profitieren. Ein zentrales Projekt zur Beobachtung und Erforschung dieser urbanen Habichte wird von Dr. Norbert Kenntner koordiniert, der die Brutplätze in Berlin systematisch betreut. Dabei klettert er regelmäßig zu den Nestern, um junge Habichte mit Kennringen zu versehen und damit individuelle Daten über Lebensalter, Brutplatztreue, Wanderbewegungen und Reproduktion zu sammeln. Neben den herkömmlichen Metallringen werden die Jungvögel zusätzlich mit farblich codierten Ringen versehen, die aus größerer Distanz mit Fernglas oder Spektiv abgelesen werden können. So entsteht ein detailliertes Bild über die Populationsdynamik und das Urbanisierungsverhalten einer Greifvogelart, die sonst in freier Natur oft schwer zu beobachten ist. Das Projekt baut auf einem Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Naturfotograf:innen und Citizen-Science-Beobachter:innen auf, die Ringablesungen melden und so helfen, wertvolle ökologische Daten zu gewinnen. Ziel ist es, das Verständnis für diese faszinierenden Vögel im städtischen Raum zu vertiefen und Schutzmaßnahmen für ihren Erhalt zu verbessern.

Mit freundlicher Unterstützung durch Dr. Norbert Kenntner von www.habicht-berlin.de