In diesem Jahr zog es mich im Juli wieder einmal in die Mitte Deutschlands. Nachdem ich in den vergangenen Jahren meist weite Strecken zurückgelegt und Ziele in Österreich oder im Südwesten Deutschlands angesteuert hatte, wollte ich diesmal weniger Zeit im Auto verbringen – und mehr Zeit im Gelände. Thüringen erwies sich dafür als ideales Reiseziel: reich an Orchideenstandorten und zugleich bekannt für interessante und seltene Schmetterlinge und Heuschrecken.
Mein erstes Ziel war der Südharz. In der dortigen Karstlandschaft wächst eine botanische Besonderheit: die Späte Brand-Keuschorchis (Neotinea ustulata subsp. aestivalis). Diese spätblühende Sippe wurde hier erstmals von den Botanikern Adolf Vocke (1821–1901) und Carl Angelrodt (1845-1913) entdeckt und 1988 von Horst Kümpel wissenschaftlich beschrieben. Der historische Fundort existiert bis heute – Grund genug, ihn mir endlich einmal selbst anzusehen. Nach einem kurzen, aber steilen Aufstieg erreichte ich mitten im Wald eine kleine, äußerst artenreiche Hangwiese. Leider waren die Pflanzen aufgrund der heißen Witterung der vorangegangenen Tage bereits verblüht. Ein Wiederbesuch in den kommenden Jahren ist damit fest eingeplant.

Anschließend ging es zügig weiter in Richtung Erfurt. Nächstes Ziel war das Jonastal unweit von Arnstadt – ein geschichtsträchtiger Ort, der überregional aber auch für seinen außergewöhnlichen Schmetterlingsreichtum bekannt ist. Ich kam erst spät am Abend an und übernachtete im Auto, das die ganze Nacht von Glühwürmchen umgeben war. Ein beeindruckendes Schauspiel, das ich so seit Langem nicht mehr erlebt hatte.
Noch vor Sonnenaufgang war ich am nächsten Morgen wieder unterwegs. Mein Ziel: endlich meinen ersten Weißdolchbläuling (Polyommatus damon) zu finden, der hier ein bekanntes, wenn auch
mittlerweile stark rückläufiges Vorkommen besitzt. Die Suche gestaltete sich schwierig, doch dank der Unterstützung von Marcel Göpfert und seiner Frau, welche ich beide vor Ort kennenlernte,
gelang schließlich der Erfolg. Zusätzlich konnte ich weitere besondere und für mich neue Arten beobachten und zum Teil fotografieren: den Westlichen Scheckenfalter (Melitaea
parthenoides), den Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion), den Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini) sowie den Kleinen Schlehen-Zipfelfalter (Satyrium
acaciae). Auch unter den Heuschreckenarten beherbergt das Jonastal einige Raritäten, etwa die Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica). Da Anfang Juli für viele Arten jedoch
noch recht früh im Jahr ist, konzentrierte ich mich gezielt auf die Kraussche Plumpschrecke (Isophya kraussii), die bereits früh ausgewachsen ist und mir bis dahin im Archiv ebenfalls
noch fehlte. Obwohl ich die Tiere zahlreich mit dem Fledermausdetektor orten konnte – die Art striduliert im Ultraschallbereich – gestaltete sich die Suche in der dichten Vegetation äußerst
schwierig. Mit viel Geduld gelang schließlich der Fund von zwei Tieren.
Von dort aus führte mich die Reise weiter in die Rhön. Am Grünen Band wollte ich erneut versuchen, die Wanstschrecke (Polysarcus denticauda) zu finden. Doch auch nach mehrstündiger Suche blieb mir nichts anderes übrig, als den Versuch abzubrechen. Vermutlich war ich wieder einmal einfach zu spät im Jahr dort – ein weiterer Besuch in einem Juni drängt sich förmlich auf.
Ab diesem Zeitpunkt standen für zwei Tage ganz die Orchideen im Fokus, genauer gesagt Stendelwurze, sehr interessante Waldorchideen. Hauptziel war ein bewaldeter Hügel bei Meiningen, von dem 1988
die Übersehene Stendelwurz (Epipactis neglecta) beschrieben wurde. Nach meinen Besuchen in den Jahren 2011 und 2018 wollte ich diesen Ort endlich wieder aufsuchen – und hatte Glück: die
Blütezeit war diesmal perfekt getroffen. Die Pflanzen standen einzeln oder in kleinen Gruppen über den gesamten Wald verteilt.
Den Abschluss der Reise bildete der Altensteiner Park bei Bad Liebenstein. Auch hier wollte ich mir Stendelwurze näher ansehen – und wurde nicht enttäuscht. Neben zahlreichen Exemplaren verschiedener Art fand ich auch die Altensteiner Varietät der Schmallippigen Stendelwurz (Epipactis leptochila var. altensteiniana), die ich bereits 2011 im benachbarten Hessen gesehen hatte. Von hier jedoch wurde diese Varietät ursprünglich beschrieben, was dem Fundort eine besondere Bedeutung verleiht.
Mein herzlicher Dank gilt Karsten Kördel, Jens Gießler, Wolfgang Hock, Sebastian Brandt und Marcel Göpfert mit seiner Frau für die vielen spannenden und wertvollen Informationen im Vorfeld und Hilfe während der Reise.




















