Das Auerhuhnprojekt in der Niederlausitz

Monotone Kiefernforste, große Solarparks und durch den Braunkohleabbau entstandene Mondlandschaften - diese Bilder haben viele im Kopf, wenn sie an die Lausitz denken. Dass es dort auch andere Landschaften gibt, erlebt man, wenn man in den Traubeneichenwäldern und versteckten Mooren unterwegs ist, wo man nicht nur Hirschkäfer, sondern seit einigen Jahren auch wieder auf das Auerhuhn treffen kann.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in den ausgedehnten Kieferheiden der Lausitz ein beachtliches Vorkommen des Auerhuhns. Spätestens ab dem Zweiten Weltkrieg ging es dem größten Hühnervogel Europas hier jedoch immer schlechter. Intensive Waldwirtschaft, die Grundwasserabsenkung durch den Braunkohleabbau und die militärische Nutzung führten zu einem dramatischen Zusammenbruch der Auerhuhnbestände in der Lausitz. Die letzte Beobachtung eines Weibchens gelang im Jahr 1998 in der Rochauer Heide bei Luckau. Einst so zahlreich vorhanden, verschwand das Auerhuhn trotz verschiedener Schutzbemühungen aus der Region. Doch bereits damals gab es eine kleine Gruppe engagierter Naturschützer, die sich damit nicht abfinden wollten. Sie setzten sich dafür ein, die ehemaligen Lebensräume des Auerhuhns deutlich zu verbesserten und schafften es gemeinsam mit Forstbehörden, dass sich die Blaubeere (Vaccinium myrtillus), die Hauptnahrung des Auerhuhns, in den ehemaligen Verbreitungsgebieten wieder flächig ausbreiten kann. Gleichzeitig sind andere Lebensraumveränderungen, die zum lokalen Aussterben der Art beitrugen, wie der militärische Übungsbetrieb und der Bergbau, nicht mehr wirksam. Schlussendlich hat ein erfolgreiches Auswilderungsprogramm, das seit 2011 existiert, den Hühnervogel wieder in die Lausitzer Wälder zurückgebracht. Jedes Jahr wird eine bestimme Anzahl an Auerhühnern in Schweden - wo die Art aufgrund ihrer Häufigkeit gejagt wird - gefangen und in der Lausitz wieder ausgesetzt. Nach anfänglichen Problemen, da es zu wenig Männchen gab, ist das Projekt heute so erfolgreich wie noch kein anderes der vielen (meist gescheiterten) Auswilderungsprojekte des Auerhuhns. Inzwischen existieren Enkelgenerationen der schwedischen Tiere und man kann sogar wieder auf balztolle Auerhähne treffen.


Anfang Mai dieses Jahres hatte ich das Glück, solch ein Exemplar gezeigt zu bekommen und war von seinem Übermut und seiner Aggression sehr beeindruckt. Auch als Ende Mai wieder Auerhennen aus Schweden kamen, war ich mit der Kamera dabei und konnte die Freisetzung der Tiere fotografisch begleiten. Einige Tiere wurden auch besendert, um mehr über deren Aktivitäten und Verhalten zu erfahren und somit bessere Schutzmaßnahmen einleiten zu können. Es war sehr spannend, dieses Projekt zu begleiten. Mal sehen, ob ich 2017 bei den Fangaktionen in Schweden dabei sein kann.

Mehr über das Projekt erfährt man auf der Seite des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft: hier klicken!

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Johannes (Montag, 15 August 2016 23:45)

    Cooles Projekt!

  • #2

    Frauke Casper (Freitag, 30 September 2016 08:55)

    Ein tolles Projekt und ich hoffe, dass es wie bei den Wölfen erfolgreich Früchte trägt. Wenigstens muss man hier keine Angst haben, dass sie von Gegnern erschossen werden, die sie aus den diversesten, an den Haaren herbei gezogenen Gründen, nicht haben wollen. :-)
    VG Frauke

  • #3

    Sebastian Hennigs (Freitag, 30 September 2016 09:34)

    @Frauke: Danke für den Kommentar, ich muss aber wenigstens noch darauf hinweisen, dass die Rückkehr der Wölfe kein Auswilderungsprojekt ist wie bei den Auerhühnern. Die Wölfe haben sich selbstständig aus dem Osten hier hin ausgebreitet.