Obere Isar - Heuschrecken am wilden Fluss

In unserer durch den Menschen intensiv geprägten Kulturlandschaft gibt es nur wenige Orte, die mich so beeindrucken wie die Obere Isar. Auf den ersten Blick wild und unbelassen, schlängelt sich der Fluss durch das enge Isartal zwischen Wallgau und dem mächtigen Sylvensteinspeicher. Bereits 2006 war ich hier unterwegs und konnte einen ersten Eindruck bekommen, daher freute ich mich sehr, in diesem Sommer etwas länger hier unterwegs zu sein.

Bei meiner diesjährigen Tour interessierten mich vor allem die besonderen Heuschrecken. Arten, die in ganz Europa hochgradig gefährdet und zum Teil vom Aussterben bedroht sind, finden sich an der Oberen Isar in vitalen Populationen. Die zwei seltensten Arten sind typische Vertreter der Umlagerungsstrecken großer Flüsse wie Lech und Isar. Die Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodemella tuberculata) kommt außer an wenigen Stellen in baltischen Raum nur noch in der Stora Alvaret auf Öland und in den großen Umlagerungsstrecken des Lech in Österreich und der Isar in Deutschland vor. Hier besiedelt die Art mit kleinen Populationen verschiedene Kiesbänke, die regelmäßig neu entstehen und in einem frühen Stadium der Sukzession optimale Lebensbedingungen aufweisen. In der wissenschaftlichen Literatur werden diese Populationen als Metapopulation bezeichnet, in der durch die Flussdynamik über einen längeren Zeitraum Aussterbe- und Wiederbesiedlungsprozesse im Gleichgewicht sein müssen, denn nur so kann die Art langfristig überleben. Bereits vor zehn Jahren hätte ich die Art gerne fotografiert, aber damals sah ich nach langer Suche gegen Abend und kurz vor einem Gewitter nur ein Männchen, das bei seinem typischen Balzflug in rund fünf Meter Höhe in 150 Meter Entfernung unerreichbar auf einer Kiesinsel landete. Diesmal war klar: Ich würde erst weiterfahren, wenn ich die Gefleckte Schnarrschrecke fotografiert habe. Nach rund zwei Stunden Suche fand ich ein ausgewachsenes Weibchen und eine weibliche Larve der seltenen Heuschreckenart - genug für einige Bilder.
 
Die zweite Charakterart dieser Landschaften ist die Türks Dornschrecke (Tetrix tuerki), die mit ihren 8-12 Millimetern wesentlich kleiner und unscheinbarer ist und eher die etwas älteren und schlammigeren Kiesbänke besiedelt. Aufgrund ihrer geringen Größe dachte ich, es sei die in Bezug auf Finden und Fotografieren anspruchsvollere Art, denn von ihr gibt es nur wenige gute Bilder. Zu meiner Überraschung fand ich sie aber recht schnell und während der langwierigen Suche nach der Schnarrschrecke an insgesamt drei verschiedenen Fundorten mit jeweils mehreren Tieren.

Die dritte typische Heuschreckenart der Oberen Isar ist der Kiesbank-Grashüpfer (Chorthippus pullus), den ich an vielen Stellen fand. Da es eine Heuschrecke ist, die außer an den großen Alpenflüssen in Deutschland in einigen ostdeutschen Heidegebieten mit einigen kleinen und zerstreuten Vorkommen zu finden sind, kannte ich sie schon und habe ich mich nicht allzu lange mit ihr beschäftigt. Ein paar Bilder auf Kies anstatt auf Sand mussten aber trotzdem auf den Sensor.

 

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