Winterschlaf im Brauereikeller

Vor einigen Tagen hatte ich die Möglichkeit, das bedeutendste Fledermauswinterquartier Brandenburgs zu besuchen. Seit ich vor längerer Zeit darüber gelesen hatte, stand es auf meiner Wunschliste ganz oben. Es handelt sich um die alte Ostquellbrauerei in Frankfurt/Oder, welche allein durch ihren Status als Naturschutzgebiet mitten im dicht besiedelten Stadtzentrum etwas Besonders ist.

 

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr als Brauerei genutzt, entdeckte im Winter 1987 eine Gruppe Biologen erstmals Ansammlungen zahlreicher Fledermäuse in den Kellern des alten Gebäudes. Durch den unermüdlichen Einsatz lokaler Fledermausschützer, die jährliche Bestandskontrollen durchführen und sich für deren Sicherung einsetzen, konnte Anfang 2003 die Umweltstiftung Euronatur mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz das Gelände der Ostquellbrauerei erwerben. Mittlerweile ist das Brauereigelände Teil des europäischen Netzwerkes "Natura 2000".

 

Jedes Jahr verbringen in den alten, mit unzähligen Spalten und Rissen durchzogenen Kellegewölben rund 2000 Fledermäuse aus zwölf Arten den Winter. Das besonders bedrohte Große Mausohr (Myotis myotis) stellt dabei rund ein Drittel der Exemplare und ist durch seine Größe und beliebte Clusterbildung besonders fotogen. Für diese Art handelt es sich um eines der bedeutendsten Winterquartiere in ganz Deutschland. Viele meiner Bilder entstanden von einer Leiter aus, da die Gewölbe enorm hoch waren und die Mausohren besonders an diesen Stellen ihre bevorzugten Hangplätze hatten. Es war ein tolles Erlebnis und ein außergewöhnliches Privileg, bei einer der alljährlichen Zählungen dabei zu sein.

 

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